Prof. Dr. Norbert Lammert

Norbert Lammert
Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die Sozialwahl, die in diesem Jahr zum zwölften Mal stattfindet, ist nicht nur ein inzwischen bewährtes Modell des Interessenausgleichs, sondern ein fester Bestandteil der Demokratie in unserem Land. Rund 51 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, aus ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen und ihre Vertreterinnen und Vertreter in die „Parlamente der Versicherten“ zu wählen – ein ebenso beeindruckendes wie in der Vergangenheit noch viel zu wenig genutztes Potenzial demokratischer Einflussnahme. Dabei betrifft dieser Wahlakt rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland – als Mitglieder oder Mitversicherte in den gesetzlichen Kranken-, Renten- oder Unfallkassen.

Der „Vater der Sozialversicherungen“, Otto von Bismarck, beklagte einst: „Die Scheu vor Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit.“ Gegen dieses Gebrechen gibt es bis heute keine Versicherung. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Möglichkeit demokratischer Teilhabe zu schärfen und dafür zu werben. Denn eine freiheitliche Gesellschaft benötigt sowohl eine demokratisch gewählte Regierung und ein politisch verantwortliches Parlament als auch eine aktive Bürgergesellschaft, die sich nicht zuletzt in der regen Teilnahme an der Sozialwahl spiegelt. Ich wünsche mir daher, dass sich viele Mitglieder der Sozialversicherungen an der Wahl 2017 beteiligen und dadurch ihre Rechte wie ihre Verantwortung gegenüber der Versichertengemeinschaft wahrnehmen.