Andrea Nahles
Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales (Bild: BMAS / Werner Schuering)

Dieses Jahr ist in jeder Hinsicht ein Superwahljahr. Es wird nicht nur in Nordrhein-Westfalen, im Saarland, in Schleswig-Holstein und im Bund gewählt. Ab Mitte Mai 2017 stehen auch die Sozialversicherungswahlen an.

Aber seien wir ehrlich: Während Landtags- und Bundestagswahlen eine ausführ-liche Berichterstattung erfahren, werden die Sozialversicherungswahlen von den Medien eher stiefmütterlich behandelt.

Und das, obwohl diesmal mehr als 50 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen sind, ihre Stimme abzugeben und die Sozialversicherungsträger mehr Geld ausgeben als wir im Bundeshaushalt zur Verfügung haben. Was vielen Menschen fehlt, ist eine klare Vorstellung davon, warum die Selbstverwaltung in der Kranken-, Ren-ten-, Pflege- und Unfallversicherung und die Wahlen wichtig sind.

Dabei sind die Wahlen DIE Chance, direkten Einfluss auf wichtige Entscheidungen der Sozialversicherungsträger zu nehmen. Die Bürgerinnen und Bürger sind ganz unmittelbar von diesen Entscheidungen betroffen. Etwa davon, welche Wahltarife oder Zusatzbeiträge eine Krankenkasse festlegt. Außerdem sitzen die gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den Ausschüssen der Sozialkassen, in denen Widersprüche der Versicherten unabhängig geprüft und beraten werden. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass bei dieser Wahl endlich mehr junge Menschen und Frauen kandidieren. Wichtig war mir auch, dass mehr Menschen mit Behinderungen auf den Wahllisten stehen. Denn sie sind Fachleute in eigener Sache, wenn darüber entschieden wird, welche Präventions- oder Rehabilitations-leistungen gefördert oder ganz übernommen werden.

Mitreden, Mitmachen und Mitbestimmen – das ist ein Grundprinzip unserer demo-kratischen Gesellschaft. Dass Bürgerinnen und Bürger sich ehrenamtlich an den Sozialversicherungen beteiligen und auf deren Verfassung und Entscheidungen Einfluss nehmen können, ist eine große Errungenschaft, die wir mit neuem Leben füllen sollten. Gerade in einer Zeit, in der Bürgerinnen und Bürger das Gefühl ha-ben, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.

Deshalb appelliere ich auch an Sie als Journalistinnen und Journalisten, über die Wahlen und die Themen der Selbstverwaltung zu informieren – engagiert, intensiv und selbstredend auch kritisch. Ich finde, das hat die Selbstverwaltung verdient.