Drei Fragen an Uwe Klemens zum Thema Hygiene und Patientensicherheit

Uwe Klemens (Bild: vdek/Fotograf G. Lopata)

„Beim Thema Hygiene ist jeder gefordert“ 

Die soziale Selbstverwaltung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) setzt sich für eine Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ein. Uwe Klemens, ehrenamtlicher Verbandsvorsitzender des vdek, über konkrete Forderungen der Selbstverwalter, Lösungsvorschläge und den Beitrag, den jeder zur Verbesserung der Hygiene leisten kann.

Warum beschäftigen Sie sich als Versichertenvertreter der Ersatzkassen mit dem Thema Hygiene?

Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 400.000 Menschen an einer Krankenhausinfektion, davon 30.000 an multiresistenten Erregern (MRE). Und diese Infektionen haben oft schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. Wir wissen auch, dass ein Drittel der Infektionen in erster Linie auf unzureichende Hygiene in den Krankenhäusern und Pflegeheimen zurückzuführen und deshalb grundsätzlich vermeidbar ist. Es geht also um die Sicherheit von Patienten. Diese liegt uns als gewählte Vertreter der Versicherten natürlich am Herzen. Daher wollen wir einen Beitrag zum besseren Umgang mit der Hygiene leisten.

Was tut die Selbstverwaltung, um das Thema Hygiene und mögliche Problemlösungen voranzubringen?

Die Mitgliederversammlung des vdek hat bereits 2017 eine Resolution zur Krankenhaushygiene verabschiedet und konkrete Forderungen zur Verbesserung an die Politik gerichtet. Diese Forderungen sind zum Teil auch in unserer Patientensicherheitsoffensive eingegangen, die wir mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) gestartet haben. Zum Auftakt dieser Offensive haben wir mit dem APS das „Weißbuch Patientensicherheit“ herausgegeben, das sich ebenfalls ausführlich dem Thema Hygiene widmet. Und ganz aktuell zum Internationalen Tag der Patientensicherheit (19. September 2018) veröffentlicht der vdek einen Flyer zum Thema Handhygiene. Hier geht es um das richtige Händewaschen und Händedesinfizieren. Mit dem Flyer wollen wir u. a. die Menschen dafür sensibilisieren, wie wichtig die Handhygiene im Umgang mit Kranken und Pflegebedürftigen ist. Denn hier ist jeder gefordert. Jeder kann einen Beitrag leisten.

Welche konkreten Forderungen stellt die Selbstverwaltung zur Verbesserung der Krankenhaushygiene?

Um das klar zu sagen: Es gibt bereits gute Initiativen für eine Verbesserung der Krankenhaushygiene, beispielsweise die "Aktion Saubere Hände", an der sich auch der vdek beteiligt. Die Bundesregierung hat ebenfalls in den vergangenen Jahren wichtige Schritte unternommen, mit dem Infektionsschutzgesetz z. B. und dem Hygienesonderprogramm für Kliniken. Aber es muss noch mehr geschehen. Wir haben daher sieben Forderungen für eine Verbesserung der Hygiene in den Kliniken aufgestellt. Dazu gehört unter anderem: Wir brauchen mehr Transparenz in Sachen Hygiene, z. B. im Rahmen der Krankenhaus-Qualitätsberichte. Den Berichten muss zu entnehmen sein, in welchen Klinikabteilungen sich in wie vielen Fällen Patienten eine Krankenhausinfektion zugezogen haben. Diese Transparenz ist nötig, damit die Patienten sich darüber informieren können, wie es um die hygienische Situation in der Klinik bestellt ist. Wir brauchen aber auch endlich eine verbindliche Hygiene-Richtlinie für alle Krankenhäuser in Deutschland. Diese Richtlinie muss Mindestanforderungen an die sogenannte Struktur- und Prozessqualität von Hygienemaßnahmen enthalten. Zur Erklärung: Die „Strukturqualität“ ist dann gut, wenn z. B. genügend Desinfektionsmittelspender vorhanden sind. Wenn Pfleger und Ärzte zwischen jedem Patientenkontakt ihre Hände desinfizieren, zeugt das von guter „Prozessqualität“. Das sind zwei der Maßnahmen, mit den viel für die Patientensicherheit erreicht werden kann.