Pflegende Angehörige – „Deutschlands größter Pflegedienst“

Etwa 3,3 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland pflegebedürftig. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen haben allein im vergangenen Jahr über 300.000 Menschen zusätzlich Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Vor allem die Neubewertung der Pflegebedürftigkeit bei geistigen Einschränkungen, etwa bei Demenzkranken, kam hier offenkundig zum Tragen. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Pflegebedürftigen angesichts der demografischen Entwicklung weiter deutlich steigen.

Aber wer betreut, versorgt und pflegt diese Menschen eigentlich? Folgt man den Aussagen des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA)*, leisten das vor allem die geschätzt vier bis fünf Millionen privaten Pflegepersonen. Drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden von Angehörigen zu Hause gepflegt. Vor allem die Langzeitpflege bedeutet in Deutschland Pflege in der Familie, deren Hauptlast meist weibliche Familienmitglieder tragen. Pflegende Angehörige leisten deshalb einen unschätzbaren Beitrag für die Gesellschaft und entlasten die Pflegeversicherung von hohen Kosten für professionelle Pflegeleistungen. Das verdient nicht nur Dank und Anerkennung, sondern vor allem Entlastung und Unterstützung. Denn sehr viele Angehörige fühlen sich mit der Pflege stark oder sehr stark belastet. Rund ein Drittel der bei Pflegebeginn erwerbstätigen Hauptpflegepersonen schränken ihre Erwerbstätigkeit ein; 15 Prozent geben die Erwerbstätigkeit sogar ganz auf.

Die zurückliegende Pflegereform hat die Rahmenbedingungen für häusliche Pflege deutlich und spürbar verbessert. So wurde zum Beispiel die finanzielle Unterstützung angehoben und die soziale Absicherung pflegender Angehöriger deutlich verbessert. Pflegende genießen jetzt einen besseren Schutz durch die gesetzliche Rentenversicherung und erwerben zusätzliche Rentenansprüche ohne eigene Beiträge dafür zu leisten. Darüber hinaus haben sie Anspruch auf eine qualifizierte Pflegeberatung mit dem Ziel, gemeinsam ein Hilfepaket zu schnüren, das den persönlichen Anforderungen und Bedürfnissen am besten entspricht.

Die durch die Sozialwahl 2017 mandatierten Selbstverwaltungen setzen sich gegenüber der Politik und innerhalb ihrer jeweiligen Kranken- und Pflegekasse für die Interessen der Versicherten ein. In unterschiedlichen Bereichen wirken diese Sozialparlamente daran mit, dass die Soziale Pflegeversicherung eine Sozialversicherung der Beitragszahler bleibt und aus diesem Verständnis heraus kontinuierlich weiterentwickelt wird.

*DZA-Report Altersdaten 1/2016