Ulrike Hauffe

Ulrike Hauffe (Bild: photothek)
  • Stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates
  • Stellvertretende Vorsitzende Haupt- und Grundsatzausschuss
  • Stimmführerin der BARMER in der Mitgliederversammlung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek)
  • Stellvertretendes Mitglied im Gesamtvorstand des Verbandes der Ersatzkassen (vdek)
  • Stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes

»Gesundheitsversorgung geschlechtsspezifisch gestalten«

Ulrike Hauffe ist äußerst zielstrebig, wenn es gilt, in der Gesellschaft Frauenrechte zu vertreten. Die Bremer Landesfrauenbeauftragte und Diplom-Psychologin war schon lange vor der Sozialwahl 2005 als ausgewiesene Expertin für Frauengesundheit und Frauengesundheitspolitik bekannt. Als eine Liste der BARMER sie bat, ihre Kompetenzen mit einbinden zu können, wog Ulrike Hauffe zunächst ab, ob sie mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit auch wirklich etwas bewegen kann. Die wesentliche Frage war für sie, inwieweit eine Krankenkasse wie die BARMER, die den höchsten Anteil (knapp 70 Prozent) von Frauen unter den Versicherten hat, bereit ist, der Geschlechterfrage eine entsprechende Relevanz beizumessen.

„Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich in der Selbstverwaltung im Sinne eines Aufsichtsrates sehr gut einbringen kann“, sagt die 66-Jährige und betont, dass es immer um die gesundheitliche Versorgung von Männern und Frauen und nicht einfach nur von Versicherten gehe. Sie nennt das Beispiel Arzneimittelvergabe: Die Studien werden in der Regel mit Männern gemacht, unter der Annahme, die benötigten Substanzmengen und deren körperliche Verarbeitung wären bei Frauen und Männern gleich. Das ist aber nicht der Fall. „Eine nicht geschlechtssensible Forschung führt bei Frauen letztlich zu falscher Versorgung“, resümiert die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende bei der BARMER. Sie kritisiert, dass Frauen heute mehr denn je als potentiell krank gesehen werden – vor der ersten Regel kommt der Gang zur Frauenärztin, vorm ersten Sex die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, auch die Schwangerschaft gilt erst nach ärztlicher Bestätigung, und die Wechseljahre sind ohnehin kein natürlicher Prozess mehr, sondern in erster Linie ein Fall für den Arzt oder die Ärztin. „Der weibliche Körper wird pathologisiert und medikalisiert“, so Ulrike Hauffe – für sie, die sie das Gesundheitswesen von vielen Seiten kennt, ein Auftrag hier entgegenzuwirken.

„Als stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates bringe ich diese Themen auf die Tagesordnung, weil ich meine, wir als Krankenkasse müssen uns dazu positionieren und können etwas bewegen“, erklärt Ulrike Hauffe. In den letzten Jahren haben sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter schon viel erreicht. So sei unter anderem eine völlig neue Broschürenkultur entwickelt worden, hin zu einem Ratgeberkonzept auf Augenhöhe mit den Versicherten. Die BARMER habe zusammen mit dem „Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit“ zu Themen wie Mammografie-Screening und Gebärmutterhalskrebsimpfung fundierte, pharmaunabhängige Patientinneninformationen veröffentlicht.

Die Erwerbstätigkeit und die ehrenamtliche Arbeit unter einen Hut zu bekommen, ist für Ulrike Hauffe immer mal wieder eine Gratwanderung. Wie sie das schafft? Klare Antwort: „Ich arbeite einfach gerne und sehr, sehr viel.“ Die Motivation gewinnt sie aus der Überzeugung, das Gesundheitssystem solle allen gleichermaßen zur Verfügung stehen: „Wir Versicherten haben in der Selbstverwaltung ein verbrieftes, demokratisches Mitspracherecht und das will ich als politisch denkender und handelnder Mensch unbedingt nutzen.“