Albert Roer (Bild: privat)
  • Mitglied des Verwaltungsrates der BARMER
  • Mitglied Haupt- und Grundsatzausschuss
  • Fraktionssprecher ver.di ACA IG Metall
  • Stellvertretendes Mitglied im Gesamtvorstand des Verbandes der Ersatzkassen e.V. (vdek)
  • Mitglied des Verwaltungsrates GKV-Spitzenverband

Das Solidarsystem aktiv erhalten und stabilisieren

„Wenn nur noch der Wettbewerb um den niedrigsten Beitrag zählt, entziehen wir letztlich dem Solidarsystem das Geld“, sagt der engagierte Christdemokrat und Konzernbetriebsratsvorsitzende der Provinzial Nordwest, Albert Roer. Am Ende stünde dann eben nicht die Vielfalt unterschiedlicher Anbieter, die ihren Kunden eine optimale gesundheitliche Absicherung und auch Vorsorge bieten wollen, sondern eine Art Einheitskasse. Alle versuchten dann nur noch, den Preis zu drücken.

„Da geht’s um die Pfeiler der Stabilität unserer demokratischen Gesellschaft“, sagt der Verwaltungsrat Roer. Wenn er über seine Arbeit oder sein Engagement in der Selbstverwaltung der BARMER spricht, wird es schnell grundsätzlich. Ihm geht es um Systemfragen. Das System der gesetzlichen Krankenversicherung beschreibt er mit einfachen Worten: „Gesunde stehen für Kranke ein, Reiche für Arme, Junge für Alte“. Und weil Roer es nicht in Ordnung findet, „dass sich diejenigen, die am besten verdienen, aus dem Solidarsystem verabschieden können“ – deshalb ist er in die Politik und in die Selbstverwaltung gegangen. Viele Jahre war er für die CDA, den Arbeitnehmerflügel der CDU, auf Landes- und Bundesebene aktiv, hat in dieser Zeit Sozialpolitik mitgestaltet. Von 1986 an war er in der Selbstverwaltung der BARMER aktiv. Die ver.di ACA IG Metall IG BCE vertritt er heute als Fraktionssprecher im Verwaltungsrat.

„Man muss auch bereit sein, sich anzulegen“, sagt der streitbare Gewerkschafter. Als 2012 die Allianz AG den öffentlichen Versicherer Provinzial Nordwest aufkaufen wollte, wurden Roer und seine Betriebsratskolleginnen und -kollegen aktiv. Es kam zu massiven Protesten gegen die Privatisierung – innerhalb von sieben Tagen wurden über 120.000 Unterschriften gesammelt, Politiker alarmiert und Tausende gingen in Münster, Kiel und Hamburg auf die Straße. Und das mit Erfolg – die Übernahme wurde abgewehrt. Und so, wie er damals seine politischen Kontakte und auch sein Verhandlungsgeschick genutzt hat, so hat er es auch in seiner bisherigen Arbeit als Selbstverwalter getan, als es etwa um die Reorganisation der großen Ersatzkasse BARMER ging. „Projekt Aufbruch“ hieß das. Im Kern bedeutet das für Roer die Herausforderung, die jahrelange „Kultur einer Versorgungskasse, die in der Breite wirksam war und ist“, zu erhalten und gleichzeitig einen zeitgemäßen Service für ihre Kunden zu organisieren.

„Da fühle ich mich als Betriebsrat zuhause“, sagt Roer, wenn es um die vielen Sitzungen mit Betroffenen und deren Vertreterinnen und Vertreter geht. Da gehe es um ein Austarieren der berechtigten Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dem, was die BARMER ihren Versicherten schulde. „Wir sind immer noch eine solidarische Versichertengemeinschaft, aber das allein reicht heute nicht“, sagt Roer. Von der Reform der Geschäftsstellenstruktur und -organisation bis zu digitalen Services tut sich eine Menge. Sie ist ihm wichtig, die Reform und Reorganisation seiner Kasse – aber reichen tut ihm das nicht.

Roer gehört zu denen, denen es um die Grundlagen für ein solidarisches Sozialversicherungssystem geht. Er kann sich noch heute über den parteiübergreifenden „Lahnsteiner Kompromiss“ von 1992 ereifern. Mit ihm sollte und hat der Wettbewerb in das System der gesetzlichen Krankenversicherung Einzug gehalten. Der Wettbewerb findet heute aber nicht um die beste Versorgung, sondern um Marktanteile statt. Die paritätische Finanzierung wurde politisch ausgehebelt, zukünftige Mehrbedarfe müssen die Versicherten allein finanzieren. Kassen und Kassenarten treten als Konkurrenten gegeneinander an. Dies ist für Roer eine gefährliche Entwicklung die in die falsche Richtung zeigt. Im Haupt- und Grundsatzausschuss und Verwaltungsrat und in seinem politischen Netzwerk streitet er dafür „das System der solidarischen, gesetzlichen Krankenversicherung zu erhalten, auszubauen und dadurch zu stabilisieren“.