Ehrenamt Selbstverwaltung: Bürgernähe braucht engagierte Bürgerinnen und Bürger

Versicherte vor Ort beraten, Anträge für sie aufnehmen, über Widersprüche entscheiden, Akten studieren, Fachgutachten lesen, Haushaltspläne prüfen oder Ausschussarbeit, um die Leistungen für die Versicherten zu verbessern – ehrenamtliche Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter in der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung haben ein weites Spektrum an Aufgaben und Verantwortung. Durch diese Ehrenämter wird Sozialversicherung bürgernah: Versicherte und Rentner entscheiden mit bei Rente und Gesundheit.

Es sind oft hunderte Seiten, die es zu lesen gilt, um sich auf Ausschusssitzungen vorzubereiten. Da geht es zum Beispiel um Baupläne für Rehakliniken der Deutschen Rentenversicherung oder um Details zu Behandlungskonzepten im Rahmen von Satzungsleistungen von Krankenkassen wie etwa osteopathische Behandlungen. Oder es geht um Akten zu Widersprüchen Versicherter, die die Erstattung einer zuvor vom Versicherungsträger abgelehnten Behandlung einfordern. Die gewählten ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertreter von Versicherten und Rentnern bewältigen als gewählte Parlamentarierinnen und Parlamentarier oder als Beraterinnen und Berater im Gespräch vor Ort ein Arbeitspensum, von dem viele Menschen wenig wissen. Das Ehrenamt sichert dabei die Unabhängigkeit ihrer Entscheidungen. Denn für die Arbeit in der Selbstverwaltung erhalten die Ehrenamtlichen nur eine kleine Aufwandsentschädigung. Deshalb stehen nicht materielle Interessen im Vordergrund, sondern ausschließlich das Engagement im Dienst der Versicherteninteressen.

Die Selbstverwaltung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Deutschen Rentenversicherung Saarland

Die ehrenamtlichen Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter bei der Deutschen Rentenversicherung Bund und bei der Deutschen Rentenversicherung Saarland treffen wichtige Entscheidungen in den Bereichen Finanzen, Organisation, Personal und Rehabilitation.

Die Vertreterversammlung als Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Bund beschließt beispielsweise den zweitgrößten öffentlichen Haushalt in Deutschland – nach dem Bundeshaushalt. Dabei geht es um ein Volumen von 143,3 Milliarden Euro. Allgemein entscheiden die Mitglieder der Selbstverwaltungen im Rahmen ihres Budgetrechts, für welche Aufgaben die Beiträge der Versicherten verwendet werden und welche Maßnahmen im Interesse der Rentenversicherten zu verwirklichen sind. Zudem legen sie die Richtlinien über die Anlage der Rücklagen fest.

Sie verbessern Service und Kommunikation

Auch bei verwaltungsorganisatorischen Entscheidungen sind die Beitragszahler durch die Selbstverwaltung vertreten. Also bei Entscheidungen zur Verbesserung der Serviceangebote wie beispielsweise in der Kommunikation, wenn es um den Online-Service rund um das Versicherungskonto geht.

Sie entscheiden über die Führungsebene und Nachwuchskräfte mit


Die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund entscheidet über wichtige Personalfragen. Sie wählt zum Beispiel die Führungskräfte aus, legt die Zahl der Ausbildungsplätze fest und entscheidet darüber, wie viele Nachwuchskräfte nach Studium oder Ausbildung übernommen werden.

Sie setzen sich für eine zeitgemäße Rehabilitation ein

Wenn es um Fragen der Rehabilitation geht, legt die Selbstverwaltung etwa Voraussetzungen, Umfang und Ziele der Leistungen fest. Sie entscheidet auch darüber, an welchen Standorten Rehabilitationskliniken errichtet oder unterhalten werden. Außerdem bestimmen sie Maßnahmen zur Optimierung der wirtschaftlichen Situation der Kliniken.

Sie prüfen Bescheide im Interesse von Versicherten

Widerspruchsausschüsse überprüfen Entscheidungen, gegen die von Versicherten Widerspruch erhoben wurde. Sie setzen sich aus Vertretern der Selbstverwaltung – Versicherten- und Arbeitgeberseite – sowie der Verwaltung zusammen und übernehmen eine wichtige Kontrollfunktion für die Versicherten: Ist jemand mit einer Entscheidung der Rentenversicherung – etwa einem Renten- oder Reha-Bescheid – nicht einverstanden, kann er Widerspruch einlegen. Wird seinem Anliegen nicht gleich stattgegeben, kann er darauf vertrauen, dass der Bescheid von einem der Widerspruchsausschüsse der Deutschen Rentenversicherung Bund noch einmal überprüft wird.

Sie organisieren Beratung vor Ort

Die Selbstverwaltung wählt zudem die rund 2.600 ehrenamtlichen Versichertenberater und -beraterinnen. Sie sind Experten in Sachen Rente und Rehabilitation und beraten Versicherte und Rentner wohnortnah in allen Rentenfragen.

Die Selbstverwaltung bei den Ersatzkassen


Der aus den gewählten Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern gebildete Verwaltungsrat ist das Parlament einer Krankenkasse. Er wählt und kontrolliert den Vorstand und beschließt den Haushalt sowie die Satzung. Darüber hinaus hat der Verwaltungsrat folgende Arbeitsbereiche:

  • Der Verwaltungsrat trifft prinzipiell alle Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung
  • Satzungsleistungen
    Dazu gehören Bonusprogramme, Wahltarife, Modellvorhaben oder besondere Versorgungsformen
  • alle wichtigen Finanzentscheidungen
    Dazu gehört insbesondere der Haushalt der Krankenkassen
  • Entscheidung über Fusionen von Kassen


Widerspruchsausschüsse wirken als „Anwälte der Versicherten“

Verwaltungsräte wählen die Mitglieder der Widerspruchsausschüsse. Dort werden die Widersprüche der Versicherten beraten und Entscheidungen der Kasse in begründeten Fällen noch einmal unabhängig auf Grundlage der vorhandenen Gesetze überprüft. Die Mitglieder sehen sich hier in erster Linie als „Anwälte der Versicherten“.

Fachausschüsse sorgen für eine gute Vorbereitung

Vom Haushaltsrecht über Organisationsfragen bis zur medizinischen Versorgung – für das breite Themenspektrum, über das die Verwaltungsräte zu entscheiden haben, braucht es Vorarbeit. Damit die thematisch vielfältigen Entscheidungen auf einer guten Grundlage erfolgen können, bildet der Verwaltungsrat Fachausschüsse, die mit ausgewählten Experten besetzt sind. Jede Selbstverwaltung organisiert dabei ihre Ausschussarbeit individuell. Fachausschüsse legen beispielsweise die Rahmendaten fest, auf deren Basis der Haushalt kalkuliert wird. Sie übernehmen die vorbereitenden Arbeiten zur Feststellung der Haushaltspläne und zur Abnahme der Jahresrechnungen und entlasten den Vorstand.

Mehr Information zu der Arbeit der Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter in der gesetzlichen Sozialversicherung unter www.selbstverwaltung.de