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Karl Werner Lohre

Karl Werner Lohre: "Bekämpfung von Krankheit muss weiterhin solidarisch geregelt sein"

Karl Werner Lohre

Karl Werner Lohre ist seit circa 13 Jahren ehrenamtlich für die Selbstverwaltung tätig. Seit 2006 ist der Rechtsanwalt Sprecher der Gewerkschaftsfraktion im Verwaltungsrat – zuerst der BARMER und nach der Vereinigung 2010 der BARMER GEK.

"Einen einzigen Themenschwerpunkt kann ich mir bei meiner Tätigkeit nicht leisten. Ich muss mich in allen Bereichen auskennen, aber besonders wichtig ist mir die finanzielle Situation der BARMER GEK", sagt der 58-Jährige. Die Ausbreitung des Niedriglohnsektors in den letzten Jahren habe zu Verlusten auf der Beitragsseite der Krankenkasse geführt. "Es ist schon ein Unterschied, ob man von tausend Euro 15,5 Prozent bekommt oder von zweitausend Euro." Auf der Ausgabenseite gebe es das Problem, dass es in verschiedenen Bereichen keine Regulierungen gibt, so wie in den meisten anderen europäischen Ländern. So könnten etwa die Arzneimittelhersteller bei neuen Produkten den Preis selber bestimmen und die Krankenkassen hätten bisher nicht die Möglichkeit, mit den Herstellern zu verhandeln, erklärt Lohre.

Als Sprecher der Gewerkschaftsfraktion vertritt Karl Werner Lohre die Fraktion in unterschiedlichen Gremien des Verwaltungsrates, zum Beispiel im Hauptausschuss. Ohne gesundheitspolitische, ökonomische und sozialrechtliche Kenntnisse kommt Karl Werner Lohre nicht aus. Die müssen neben der Tagesarbeit ebenfalls erworben und immer wieder aktualisiert werden. An dieser Stelle kommen Lohre sein Beruf als Sozialrechtler bei der IG Metall und sein Amt als ehrenamtlicher Richter am Bundessozialgericht sehr zugute.

Der Einfluss der Verwaltungsratsmitglieder auf das Kassengeschehen wird nach Lohres Ansicht häufig unterschätzt. Explizit weist er darauf hin, dass etwa Zusatzbeiträge allein vom Verwaltungsrat beschlossen werden können. Es sei sehr bedauerlich, dass der Gesetzgeber künftige Kostensteigerungen, auch solche, die dem wissenschaftlichen Fortschritt geschuldet sind, allein den Versicherten über Zusatzbeiträge aufbürde und damit die Arbeitgeber aus der Kostenverantwortung entlassen habe.

"Der DGB mit seinen Einzelgewerkschaften und auch ich persönlich haben das bekämpft, uns leider aber nicht durchgesetzt”, betont der Gewerkschafter. Als Verwaltungsratsmitglied werde er deshalb besonders darauf achten, Zusatzbeiträge für die Versicherten zu vermeiden, ohne die Versicherten auf der Leistungsseite zu beschränken. Das gehe aber nur über Effizienzsteigerung, Leistungssteuerung und Verträge mit den Leistungserbringern.

Oberstes Prinzip ist und bleibt für Lohre der solidarische Gedanke der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Risiko einer (schweren) Erkrankung dürfe nicht individuell getragen werden müssen, sagt Lohre. Es müsse weiterhin gelten, dass jeder Versicherte die Beiträge entsprechend seines Einkommens bezahle und unabhängig davon die Versorgung bekomme, die er braucht. "Die Bekämpfung von Krankheit darf nichts mit dem Einkommen zu tun haben", fasst Karl Werner Lohre zusammen.