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Helmut Aichberger

Helmut Aichberger: "Die Menschen haben einen Anspruch auf eine verständliche Antwort"

Helmut Aichberger

Der ehemalige Bankangestellte lebt in Krailling, in der Nähe von München. 1980 stellte sich Aichberger das erste Mal zur Wahl und wurde stellvertretendes Mitglied der Vertreterversammlung der ehemaligen Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK). Die HMK, die am 1. Oktober 1927 als Berufskrankenkasse des Gesamtverbandes deutscher Angestelltengewerkschaften gegründet wurde, gibt es heute nicht mehr. Zum 1. Januar 2010 vollzog die HMK die Fusion mit der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Aichberger gestaltete die Fusion als Verwaltungsratsvorsitzender maßgeblich mit, die HMK brachte in die Fusion rund 300.000 Versicherte ein. So entstand die Ersatzkasse, die jetzt als "DAK – Unternehmen Leben" auftritt.

Auf die Frage, wann er denn erstmalig mit der Selbstverwaltung in Berührung gekommen ist, folgt ein herzliches Lachen. "Das ist bei mir sozusagen dynastisch", erzählt der 61-Jährige. Sein Vater hat das Sozialgesetzbuch herausgegeben, den sogenannten Aichberger. Er war Vorsitzender Richter am Bayrischen Landessozialgericht und wurde damals 1948 als Spezialist vom C.H. BECK Verlag darum gebeten. Außerdem war der Vater als ehrenamtlicher Vorstand der HMK langjähriges Mitglied der Selbstverwaltung. "Insofern habe ich seit Kindesbeinen aufgesogen, was Selbstverwaltung ist." Vor allem ein großer, zusätzlicher Koffer mit vielen Arbeitsunterlagen ist ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. Den nahm sein Vater mit in den Familienurlaub.

Er selbst ist auch des Öfteren mit einem Koffer voller Dokumente in den Urlaub gefahren, aber mit einem kleinen. "Ich bin auch mehrfach aus dem Urlaub zurückgekommen und nach Hamburg in die Verwaltung geflogen." Dringliches gab es häufig genug, etwa wenn die Aufsichtsbehörde, das Bundesversicherungsamt in Bonn, ihn sprechen wollte.

Aichberger sagt von sich selbst, er habe kein Spezialgebiet: "Ich bin zwangsläufig Generalist, weil ich 15 Jahre Verwaltungsratsvorsitzender bei der HMK war". In dem Amt sei man der Hauptansprechpartner des Vorstandes in allen Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung. Da müsse man viele Dinge wissen oder zumindest wissen, wo sie stehen. Dann schränkt der redegewandte Mann aber doch etwas ein: "Grundsätzlich kenne ich mich in Finanzdingen am besten aus".

Im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch extern, ist er ein beliebter Ansprechpartner. Wenn Themen wie die Gesundheitsreform oder die Einführung der Praxisgebühr in den Medien diskutiert werden, dann wird Aichberger gefragt: Warum wird das so geregelt und nicht anders? Er antwortet mit viel Geduld. Seiner Meinung nach haben die Menschen einen Anspruch darauf, eine möglichst vollständige, richtige und verständliche Antwort zu bekommen. "Ich will mich jetzt nicht mit einem Bundestagsabgeordneten vergleichen, aber im ganz Kleinen ist das so ähnlich."

Am meisten stört ihn, dass die Selbstverwaltung einen so schlechten Ruf hat. Mit großer Bestürzung erinnert er sich an die Sozialwahl 2005. Da sei die Selbstverwaltung in den Medien so dargestellt worden, als wäre sie überflüssig. Aichberger betont mit Nachdruck, wie wichtig die Selbstverwaltung als dringend erforderliches Gegengewicht und Ergänzung zum Gesetzgeber ist. Und das soll nach Aichbergers Wunsch auch langfristig und unbedingt so bleiben. Dafür packt er immer wieder gerne einen extra Koffer.