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Christian Zahn

Christian Zahn: "Selbstverwaltung ist nie ein bequemer Partner der Politik"

Christian Zahn

Seit gut 20 Jahren ist Christian Zahn in der Selbstverwaltung der Ersatzkassen aktiv. Sein soziales und politisches Engagement hat ihn sein Leben lang begleitet. Bereits 1991 wurde Zahn in den ehrenamtlichen Vorstand, den heutigen Verwaltungsrat der DAK, gewählt. Er engagiert sich seit 1993 für den Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) und ist dort seit 2006 Verbandsvorsitzender.

Was treibt den 62-jährigen Juristen an, sich nach so vielen Jahren noch immer aktiv für die Interessen der Versicherten einzusetzen? Schon als Jugendlicher habe er sich persönlich in der evangelischen Jugend engagiert und dort hautnah erfahren, was Behinderung, Krankheit, Alter und Armut für Menschen bedeuten können. Für Zahn sei es auch heute noch eine große Errungenschaft, dass es in Deutschland soziale Sicherungssysteme gibt, die die Menschen im Fall einer Krankheit oder eines Arbeitsunfalls, im Alter, bei Arbeitslosigkeit oder im Falle der Pflegebedürftigkeit schützen und finanziell absichern: "Das ist eine kulturelle Leistung, die es zu erhalten gilt."

Die Selbstverwaltung habe einen großen Anteil daran, dass es heute diese soziale Absicherung für alle Menschen gibt, hebt Zahn hervor. "Der Staat setzt den Rahmen, die Selbstverwaltung sorgt dafür, dass dieser ausgefüllt wird. Das geschieht im ständigen Dialog und in ständiger Auseinandersetzung mit den Beteiligten, den Versichertenvertretern, mit den Arbeitgebern, mit der Politik, aber natürlich auch in gemeinsamer Selbstverwaltung mit den Leistungserbringern."

Zahn ist sich sicher, dass die Selbstverwaltung deshalb auch ein Teil der demokratischen Kultur Deutschlands ist. Vieles, was die Vertreter der Selbstverwaltung machen, passiere geräuschlos: Die Arbeit der Versichertenvertreter vor Ort, die Sprechstunden mit den Versicherten in der Versichertenberatung, die Verhandlungen in den Widerspruchsausschüssen, die Gespräche und Debatten in den Kassen über deren politischen Kurs, die Beratungen über den Haushalt und Grundsatzentscheidungen der Kassen.

Für Zahn ist es Aufgabe der Selbstverwaltung, Kompromisse mit den vielen gesellschaftlichen Kräften herbeizuführen: "Damit entlastet die Selbstverwaltung den Staat und nimmt ihm Verantwortung ab. Gleichzeitig weisen wir die Politik auf Defizite oder Regelungslücken zum Beispiel bei der medizinischen Versorgung hin. Selbstverwaltung kann deshalb auch nie ein bequemer Partner für die Politik sein." Gerade deshalb sieht Zahn für die Selbstverwaltung auch keine Alternative: "Ich möchte kein rein staatliches dirigistisches Gesundheitswesen wie in Großbritannien, wo alten Menschen Hüftoperationen nicht bezahlt werden oder es lange Wartelisten für Operationen wie in Schweden gibt. Aber ich möchte auch kein Gesundheitswesen, in dem die medizinische Versorgung Privatangelegenheit ist und vom persönlichen Geldbeutel abhängt wie in den USA."

In der Sozialwahl 2011 tritt Zahn nun ein letztes Mal an und stellt sich den Versicherten der DAK zur Wahl. "Persönlich wünsche ich mir, dass sich viele Versicherte an der Wahl beteiligen und der Selbstverwaltung ihre Stimme geben, denn durch die Wahl erhalten wir die Legitimation, uns für die Versicherteninteressen einzusetzen", unterstreicht der Jurist.